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Ein Insektenhotel für den Garten

Vor zwei Jahren habe ich mir in meinem Garten ein Hotel gebaut, eines, das Wohnraum für viele Lebewesen bietet, trotzdem nur 30 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch ist: Ein Hotel für wildlebende Insekten. An den ersten warmen Frühlingstagen in diesem Jahr herrschte dort regelrecht Hochbetrieb. Ständig kamen Insekten angeflogen, inspizierten die kleinen Bambusröhrchen, zankten sich mitunter auch darum, wer denn nun die Wohnung beziehen durfte. Ich war überrascht, wie gut das Insektenhotel, dass ich an der Sonnenseite eines Holzschuppens angebracht habe, angenommen wurde. In den Röhren legen die Insekten ihre Eier ab, legen einen Nahrungsvorrat für die Brut an und verdeckeln dann das Röhrchen. Hier wächst die nächste Generation von Wildinsekten heran.

Mittlerweile weiß ich, dass Wildbienen und andere kleine Insekten, deren Namen ich gar nicht kenne, nicht nur wichtig sind, um die ökologische Vielfalt zu erhalten, sie tragen auch ganz erheblich dazu bei, dass die Obstbäume in meinem Garten eine reiche Ernte bringen. Sie sammeln Pollen auch bei Beerensträuchern. Wildbienen fliegen außerdem früher als ihre Verwandten, manche Arten sind schon im März unterwegs. Sie bestäuben früh blühende Obstsorten wie Aprikosen, wenn die Honigbienen noch ihre Winterruhe halten oder zu schwach zum Fliegen sind. Und als "Bauchsammler" bestäuben Wildbienen Obstbaum-Blüten auch sehr effektiv, da sie sich quasi hindurchwälzen, um Pollen aufzunehmen.

Insektenhotels findet man heute überall: In Fachgeschäften für den Gartenbedarf genauso wie im Baumarkt. Dabei gibt es riesige Preisunterschiede, und leider taugen einige der angebotenen Insektenhotels gar nichts. Gerade hat die Stiftung Warentest Insektenhotels unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen, dass man ein günstiges Angebot schon für kleines Geld finden kann.

Noch preiswerter ist es, wenn man sich selbst daran macht, eine Unterkunft für Wildbienen und andere Insekten zu bauen. Dazu braucht man keine großen handwerklichen Fähigkeiten. Ein Insektenhotel kann man übrigens auch ganz hervorragend mit seinen Kindern bauen. Denen macht das zum anderen Spaß, zum anderen lernen sie so eine Menge über ökologische Zusammenhänge.

Wildbienen sind Einzelgänger. Sie bilden im Gegensatz zu Honigbienen keine Staaten. Einige der mehr als 460 Wildbienenarten brauchen für ihren Nachwuchs Niströhrchen. Dafür eigen sich hohle oder markhaltige Pflanzenstängel, Bambusstangen oder auch Schilfhalme. Im Fachhandel kannst du das Material kaufen, dann zurechtschneiden und daraus eine einfache Unterkunft bauen. Gute Vorbilder findest bei beispielsweise in dieser oder dieser Bauanleitung des Naturschutzbundes.

Neben den Niströhrchen ist der natürliche Lebensraum vieler Bienen- und Wespenarten in Löchern im Holz angesiedelt. Du kannst für ein Insektenhotel einfach einen Holzklotz verwenden. Achte bitte immer darauf, dass es Hartholz ist. Geeignet sind Buche, Esche, aber auch Kirsche. Nadelholz ist dagegen nicht so gut geeignet. In diesen Holzklotz bohrst du mit Holzbohrern unterschiedlich breite Löcher. Verwende dazu Bohrer von 2 bis 10 Millimetern Stärke. Bitte mit dem Bohrer tief ins Holz bohren und anschließend die Einfluglöcher mit einem Schmirgelpapier glatt schleifen. Wildlebende Insekten haben sehr empfindliche Flügel, die sie sich sonst verletzen würden. Bohre bitte nie in die Stirnseite eines Baumstücks sondern immer in die Längsseite. In der Stirnseite entstehen nämlich schnell Risse im Holz, die Wohnungen werden dann feucht und es entsteht schnell Schimmel. Weitere Tipps und Infos findest zum Bau deines eigenen Indektenhotels du hier.

Viele Wildbienen und andere wildlebende Insekten sind vom Aussterben bedroht. Sie finden in den monotonen Gärten kaum noch natürlichen Wohnraum. Daher sind sie auf uns, den Menschen, angewiesen. Mir jedenfalls macht es immer wieder Spaß, wenn ich die Tiere beobachten kann und sehe, wie im Laufe eines Sommers in meinem Insektenhotel wieder der Nachwuchs flügge wird.

Wer sich abschließend noch einmal einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten verschaffen will, dem empfehle ich einen Blick in die sehr hilfreiche Übersicht des MDR.

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